Donnerstag, 24. april 2008
Katrin
Der Tag war total voll und anstrengend. Wir starteten 7.10 Uhr mit dem Bus zur „Mura Thoma“ Gemeinde – oder so ähnlich. Die Gemeinde hatte Diamantenjubiläum. Sie ist sehr groß, hat mehrere Schulen und andere soziale Einrichtungen. Die Menschen dort und vor allem die Kinder haben mich angestarrt, als hätten sie noch nie eine weiße Frau gesehen – OK haben sie wahrscheinlich auch nicht. Nach einem zweistündigen Gottesdienst auf Kerala und Frühstück, gab es eine Feier zum Jubiläum. Erst viele Reden und dann Kulturprogramm. Verschiedene Sing- und Tanzgruppen der verschiedenen Schulen und Gruppen der Gemeinde. Auch wir haben das Programm musikalisch mit gestaltet. Nachdem Torsten das Lied „Lord I lift your name on high“ den Studenten gestern gut beigebracht hatte, konnte ich es heute dirigieren. Heute Morgen hatte ich Torsten etwas angemeckert, weil er mich nicht geholt hat als es hieß, dass wir noch das Lied üben müssen. Das war echt doof und das wollte ich auch gar nicht, aber irgendwie hatte es sich aufgestaut. Eigentlich wollte er ja nur Gutes für mich. Aber mehr als entschuldigen kann ich mich nicht. Ich will ihn unterstützen, aber ich weiß nicht, wie, denn ich weiß nur, dass es ihm oft nicht gut geht, aber nie genau warum. Er weiß es anscheinend selbst nicht. Aber das macht es kompliziert, da ich dann nicht weiß, wie ich mit ihm umgehen soll. Nachdem wir heute wieder aus der Gemeinde zurück waren, habe ich erst einmal eine Stunde geschlafen und dann war Bhajan Praxis. Das nervt langsam, es ist so oft, nach dem Abendessen noch mal. Um 18.30 Uhr war Gottesdienst. Das war eigentlich ganz nett. Ohne Gott würde ich es hier echt nicht schaffen. Vor dem Gottesdienst waren wir bei Solomon. Haben erstmal ein Erdbeereis bekommen, welches wir sogar mit einem Löffel essen durften. Wir haben den Schlüssel für sein Büro bekommen. Das ist wirklich lieb. Mein Zimmer ist jetzt auch OK und das gemeinsame Bad nutzen ist zwar sehr ekelig, aber ich wird es überleben. Morgen 5.45 Uhr aufstehen. Viel zu früh!



Torsten
21:30 Uhr

Alles, was wir heute taten, war anstrengend. Fast alles. Das Problem heute war der enge Zeitplan, das kaum aufatmen lässt. Und so sollen wir für die Woche, geschweige denn das Lernen und Studieren gerüstet sein! Der heutige Tag begann um 6:45 mit dem Frühstück, da wir als YMCA und BD11 zu einer Gemeinde fuhren. Eine Stunde Fahrt, um 8:00 begann der Gottesdienst der Mar Thoma-Kirche. Leider auf einem der vielen Dialekte [Kannada, die Hauptsprache von Karnataka], so dass wir nichts verstanden. Auf jeden Fall mit viel Weihrauch verbunden und der Bischof war da, ein alter Mann. Danach zweites Frühstück, gefolgt von sehr langen Ansprachen, da eine Jahresfeier (Diamantene – 60 Jahre) anstand. Wir waren unter Sonnensegeln untergebracht. Trotzdem war es sehr heiß. Nachdem wir diese Reden überstanden hatten und als UTC unseren Beitrag geleistet hatten ([das Lied] „Lord I lift Your name on high“), gab es Mittagessen. Unsere Abreise folgte kurz darauf. Kaum hier wieder angekommen (15:30) waren wir um 16:30 zur Bhajan2-Übungsstunde geladen. Von längerem Mittagsschlaf also keine Rede. Nachdem wir das überstanden hatten, sind wir gegen 5 zu Solomon Benjamin, den Schlüssel von seinem Office holen, da er uns die Erlaubnis erteilt hat, von dort ins Internet zu gehen, um unseren Freunden zu hause so viel wie möglich von Indien zu zeigen und so schnell wie möglich Bilder hoch zu laden. Gegen 17:45 sind wir wieder von Solomon Benjamin aufgebrochen (es gab noch Eis) und ins Internet gegangen, danach war der Sonntagabendgottesdienst (18:30). Danach Abendessen, um 20:45 Bhajan-Übung für morgen früh. Bin todmüde, was auch an meiner Schrift zu sehen ist. Katrin und mir ist heute morgen klar geworden, dass wir aufpassen müssen, wie wir miteinander umgehen. Durch eine unbedachte Äußerung von Katrin wäre es fast zum Streit gekommen. Da brauchen wir Gottes Hilfe, dass es nicht so weit kommt!

1BD: Bachelor of Divinity. Bachelor in Theologie

2Indische Lobpreismusik. Ein Vorsänger, dem alle andern nach singen. Meist mit Trommeln und einer Art Orgel in klein begleitet.

von Torsten Geiger veröffentlicht in: Indien Community: Indien
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