Mittwoch, 30. april 2008
Katrin
Der Tag war echt cool. Ich habe einfach mal länger geschlafen und das Frühstück sausen lassen. Dank des Windes, welcher mein Fenster die ganze Nacht an den Fensterrahmen knallen lies, weil man es nicht schließen kann, war ich nachts sehr oft wach. Aber man ist ja erfinderisch. Ein Stück seil und eine Wäscheklammer, das muss reichen. Waren heute in der M.G. Road. Das muss ich unbedingt wieder hin. Das ist eine der größten Einkaufsmeilen Bangalores und ich habe es tatsächlich geschafft, dort Karten mit Bangaloremotiv zu bekommen. Leider wird es wohl nichts mehr, ein Päckchen ans Kolleg zu senden. Die Post macht halt ihre eigenen Regeln. Aber wir werden versuchen, Carina ein Päckchen zu senden. Dann haben wir keinen Zeitdruck. Am späten Nachmittag waren wir bei einem Vortrag von Hans Ulco – er ist der Vorsitzende des Internationalen Konzils der Kirchen. Er hat über den interreligiösen Dialog gesprochen. Abendessen gab es bei Kentucky Fried Chicken. Mc Donalds ist besser, aber besser als Reis. Schließlich: Man lebt ja nicht vom Reis allein! Nun wollte ich abschließend noch eine schöne warme Dusche nehmen, doch es kam kein Tropfen Wasser mehr aus den Leitungen. Im ganzen Frauenwohnheim nicht!1 Ich dachte echt ich spinne! So bin ich mit meinem Eimer zu Torsten ins Jungenwohnheim und habe mir dort Wasser geholt. Das Wasser war zwar bitter kalt, aber besser als gar kein Wasser. Es ist mir echt bewusst geworden, wie wertvoll Wasser ist und dass es Luxus ist, den Hahn aufdrehen zu können und warmes Wasser zu haben.

1 Bangalore, oder zumindest der größte Teil hat keine Wasserleitungen. Dadurch muss jeden Tag mit einem

Wassertank Wasser gebracht werden. Da kommt es schon mal vor, dass es abends kein Wasser mehr gibt.

 

Ein kleiner Geschmack dessen, was uns täglich in Bangalore erwartete.

Torsten
22:25 Uhr

Die Tage rasen nur so dahin. Der heutige Samstag stand ganz im Zeichen des Nichts-Tuns. Ich stand zwar kurz nach 8 Uhr auf, um meinen knurrenden Magen zu stillen, ging aber danach wieder direkt ins Bett, wo mich Katrin in Begleitung von Femke (und deren Wäscheeimer) gegen 10:30 Uhr wieder weckten. Aus Femkes Wunsch, ihre Wäsche zu waschen, wurde aufgrund des Fehlens der Waschfrau nichts, weshalb ich heute Nacht in Begleitung von Femkes Wäscheeimer (voll) schlafe. Zum Glück habe ich genug Platz in meiner Zelle. Nach dem Wecken gingen Katrin, Gladwin, Max und ich zum Teeladen, Tee und Frühstück für Katrin (4x Tee, 1 Milchbrötchen, 1x Gebäck = rs 12) besorgen. Wieder am UTC angekommen, sind wir direkt zur Teepause gegangen. Danach viel Zeit mit Katrin in meinem Zimmer verbracht, die Ruhe hat gut getan. Außerdem haben wir das Projekt „Me and my Work“, in dem der Heimat-CVJM vorgestellt werden soll, abgeschlossen. Nach dem Mittagessen sind wir um 2 Uhr aufgebrochen zur MG-Road (Mahatma Gandhi), um dort gemütlich zu shoppen zu gehen 1 T-Shirt (Bangalore), 1 Pulli (Adidas-Fake) je rs 125. Katrin 1 T-Shirt (Bangalore) und 1 Sporthose lang (rs 125 + rs 150). Bin sehr zufrieden mit dem Pulli, gute Qualität und passt sehr gut. Um 17 Uhr sind wir in die St. Marks Cathedral, wo Hans Ucko, ein Mitglied des World Council of Churches aus Schweden zu der geneigten Hörerschaft zum Thema „Interreligiöser Dialog“ sprach. Um 19 Uhr, nach Ende des interessanten Vortrags sind wir zu Kentucky Fried Chicken gegangen (Vinnet, Gladwin, Robin, Femke, Katrin, Max und ich). Mike und Mathew waren leider beim Commisioners Office hängen geblieben, da sie noch diverse Papiere zu besorgen hatten, Haston war in Chennai und Saji war nicht mit, aus welchem Grund auch immer. Aber auch so hatten wir den zweiten guten Abend in Folge. So macht Indien direkt Spaß!

Katrin und ich haben heute eine erste Reflexion der vergangenen Tage, insbesondere des Essens gemacht, da wir immerhin schon fast drei Wochen hier sind:

1. Das Essen ist sehr einseitig und wir können den Nährwert des Reises nicht richtig abschätzen. Man isst Unmengen davon und der größte Teil davon wird verwertet.

2. Zusätzliche Nährstoffe sind essentiell, um sich ausgewogen zu ernähren. Obst ist sehr billig (für deutsche Verhältnisse) zu bekommen und schmeckt sehr gut. Zudem kann durch die Schokolade und die Kekse zusätzlich ein Ausgleich geschaffen werden.

Wir werden das Essen und die Auswirkungen auf uns weiter beobachten


Gerade (22:45) kam Katrin noch einmal herüber, bat darum, einen Eimer Wasser zu bekommen, da es im Women's Hostel keinen Tropfen davon zu geben scheint. Auf dem Rückweg begegneten uns zwei weitere Mädchen auf der Suche nach Flüssigem.

Für mich ist jetzt Zeit, die Anstrengungen des Tages schlafend zu verarbeiten.


von Torsten Geiger veröffentlicht in: Indien Community: Indien
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