Katrin
Heute war / ist ein ganz besonderer Tag. Heute sind Torsten und ich ein Jahr zusammen. Ich freue mich sehr, mit ihm durch das Leben zu gehen. Deshalb gab es heute auch mal mehr Küsse und
Umarmungen. Ich genieße das ja auch, aber nachdem wir drei Wochen gar keinen näheren Kontakt hatten, ist es nicht einfach, mit dem Nähe – Distanz Verhalten. Am Vormittag sind wir, nachdem Torsten,
Femke und ich 1 ½ Stunden auf Solomon gewartet haben, aber das ist ja normal hier, zum YMCA Streetchildren in Crises project office [Büro des Straßenkinder in Krisen Projekt] gegangen. Dort haben
wir viele Informationen über das Projekt erhalten und sind anschließend zusammen mit einem der Mitarbeiter in das zweite Heim „Murphy Town“ gefahren. Im Vergleich ist das andere Heim „Dream Home“
wirklich das „Vorzeigeprojekt“ Die Kinder waren sehr nett, auch wenn sie es wahrscheinlich faustdick hinter den Ohren haben. Eigentlich wollten wie uns diesen Donnerstag das erste Day Care Centre
[eine Art Auffangstation für Straßenkinder wo sie Tagsüber hinkommen können und ein warmes Mittag bekommen] anschauen, aber das ist leider nicht möglich, weil wir in den Unterricht müssen. Erst war
ich etwas verärgert und enttäuscht, weil wir ja nicht nur zum studieren hier sind, aber dann haben wir noch einmal mit Solomon gesprochen. Nun verstehe ich auch warum das so ist und kann damit auch
in Frieden leben. Unsere Erwartungen sind aus dem deutschen Kontext gewachsen, wie Prem und Shamila bei uns hatten. Wir hatten wohl etwas vergessen, dass die Art des Austauschs dem indischen
Kontext entspricht. Und für die Inder ist studieren eben das Höchste, da Bildung hier sehr wertvoll ist. Deshalb geht es nicht wie bei uns, das man mal in ein Fach reinschaut und am nächsten Tag
wieder etwas anderes unternimmt. Die Einstellung der Dozenten ist eher „Wenn du in meinem Fach bist, dann komm auch!“. In ihrem Kontext ist das auch zu verstehen. Solomon sind da die Hände
gebunden. Aber dafür werden wir nächsten Dienstagnachmittag ins erste Day Care Centre gehen. Nun kann ich Solomon besser verstehen und die Missverständnisse sind geklärt. Dieses Wochenende werden
wir bei Prem in Chennai verbringen. Ich freue mich darauf ihn wieder zu sehen. Nach unserem Gespräch mit Solomon waren Torsten und ich einen „Cold Coffee“ trinken, um unseren Tag wenigstens ein
bisschen zu feiern. Das war unser erster gemeinsamer Ausflug allein außerhalb des Campus.
Torsten
23:05 Uhr (!)
Es wurde spät heute. Leider. Aber es ging nicht anders. Katrin und ich hatten unsere Assignments mit unseren Gruppen vorzubereiten. Treffen leider erst nach der Bhajan-Practice. Aber vorher wäre
auch nicht gegangen: Der Tag begann um 7:30 Uhr mit dem Frühstück, gefolgt von einer kurzen Zeit mit Katrin. Unsere Einjahresfeier beschränkte sich auf Küsse, die ersten seit 3 Wochen und einen
Cold Coffee am Nachmittag. Zuhause werden wir ausgiebiger feiern, evtl. in der Therme und bei einem schönen Essen. Nach der ersten Stunde (Bible 1, nach wie vor langweilig) hätten wir eine
Library-Stunde gehabt. Stattdessen warteten wir vor Solomon Benjamins Office auf ihn höchst persönlich, da wir mit Femke zu einem weiteren Streetchildren-Projekt gehen wollten, wozu wir Solomon
Benjamins Erlaubnis brauchten. Die bekamen wir auch und schon ging es los, zuerst ins Office des YMCA [Bangalore], eine kurze Vorstellung der YMCA-Arbeit und den Sheltern. Danach in der
Autoriksha zu „Children in Crisis“, wo wir einen kurzen Einblick in die Arbeit des Shelters bekamen. Zudem bekamen wir Mittagessen, welches sehr lecker war, verglichen mit dem aus der UTC-Mess
[Kantine]. Nachdem wir gegen 3 zurück waren, bekamen wir noch einen Teil der New Delhi YMCA Vorstellung von Gladwin und Vinnet mit (die vom CVJM und Kolleg von Katrin und mir war gestern, ich
vergaß). Danach sollten wir eigentlich den Senior Tutor Samuel Raj treffen, welcher aber leider nicht da war. So hatten wir Zeit, mit Solomon Benjamin ein kurzes Meeting über unsere Erwartungen
und die des UTC-YMCA zu haben. Sehr fruchtbar, da wir mit dem reinen Studieren nicht so zufrieden sind, da wir mehr Rundreisen und evtl. Sight-Seeing, bzw. reinschnuppern in die Arbeit des CVJM
in Indien erwartet hatten. Jetzt werden wir in nächster Zeit mehrere Reisen unternehmen, alle an Wochenenden.
Nach dem Meeting, das zweigeteilt war (1. Teil Katrin und ich, 2. Teil (warum auch immer) Katrin und Femke; ich spielte in der Zeit ein wenig Volleyball mit ein paar Jungs im Boys Hostel) gingen
wir den Cold Coffee trinken, danach lief der Tag normal aus, ausgenommen das Meeting am späten Abend. Trotzdem ein guter Tag.