Eine kurze E-Mail an meine Mam habe ich noch geschrieben, denn sie hat heute Geburtstag. Ich freue mich schon, wenn ich sie wieder sehe. Heute habe ich irgendwie ein wenig Heimweh. Aber Morgen geht es bestimmt wieder. Ich hoffe, dass dann auch mein Bronchien wieder OK sind. Die blöde Hausarbeit in „Bibel 1-Neues Testament“, wir sollten Solomon fragen ob wir es nicht weglassen können.
Schon wieder ist ein Tag zu Ende. Er begann damit, dass ich beschloss, aufgrund schmerzender Nieren nicht zur Yoga-Class zu gehen und lieber liegen zu bleiben. Als ich kurz nach halb 8 aufstand, kam Katrin und berichtete, dass die Yoga-Class ausgefallen war, weil der Yogalehrer nicht da war. Nach der Morgenandacht gingen wir voller Enthusiasmus zu YMCA-Studies ind Solomon Benjamins Office. Dort teilte uns Solomon Benjamin mit, dass die Schule heute komplett ausfällt, da am Wochenende ein früherer Premierminister Indiens starb. Eine interessante Methode zu trauern.
Wir ergriffen die sich bietende Gelegenheit, um die Commercial Street mit Femke und Mathew unsicher zu machen. Heute war Katrins Tag, d.h. sie fand heute einige Sachen, während ich leer ausging. Nach dem Mittagessen und einem wie immer viel zu kurzen Schlaf gingen Katrin und ich erneut zur Commercial Street, um allein und in aller Ruhe durch die Straßen zu bummeln. War einerseits schön, mal ein wenig Zeit zu haben, andererseits anstrengend, da wir uns in den Kopf gesetzt hatten, Verlobungsringe für eine Verlobung im Herbst in Deutschland zu kaufen. Leider konnten wir nicht fündig werden, was unsere Stimmung erheblich trübte. Nach dem Abendessen saß ich mit ein paar Freunden des YMCA noch ein wenig auf einer Bank, währen Katrin schon in mein Zimmer ging. Als ich dazukam, fand ich sie, mit dem Ipod und einem sehr traurigen Gesicht auf meinem Bett sitzen. Zu der Ring-Enttäuschung gesellten sich noch Heimweh und andere Dinge. Katrin tut mir leid, da ich nicht genau weiß, wie ich ihr helfen kann. Ich habe den Eindruck, dass meine Anwesenheit auch nur bedingt hilft. Aber was tun? Ich habe keine Idee. Zudem verspüre ich immer mehr den Wunsch, allein mit anderen außer Katrin zu sein und meine eigenen Indienerfahrungen zu sammeln und mit den Leuten hier zu reden und Spaß zu haben. So fühle ich mich ein wenig Zwiegespalten, da ich Katrin nicht allein lassen will und andererseits gerne unabhängiger wäre.
Nach der Bhajan-Practise waren ein paar Freunde des UTC zu einem Geburtstag eines Schwiegervaters eines der Studenten geladen. Das war sehr interessant, die Familie hat etwa 20 Mitglieder. Zusammen mit noch einmal 20 UTClern hatten wir in einem sehr kleinen Raum eine improvisierte Geburtstagsfeier. Es gab Tee, Sweets und sogar Geburtstagskuchen. So war der heutige Tag ein Wechselbad der Gefühle: einerseits sehr schön, andererseits getrübt durch Katrins Unwohlsein. Hoffentlich bessert sich ihre Stimmung wieder und das Heimweh verschwindet.
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