Dienstag, 20. mai 2008
Katrin
Heute Morgen war ganz normal Unterricht. Na ja fast. In „Theologie und Ethik“ ist der Dozent auf einmal voll ausgerastet, weil nicht alle konzentriert dabei wären. Und in „Kommunikation“ drohte der Dozent damit, wer Morgen nichts über Massenmedien weiß, kann gehen. Das war schon krass! Ich finde diesen Stil einiger Dozenten nicht gut, denn es macht den Unterricht noch unattraktiver. Torsten ging es heute gar nicht gut. Deshalb ist der auch bis mittags im Bett geblieben. Er ist nicht wirklich krank. Er ist einfach fertig und braucht Schlaf und das ewige hin und her mit Durchfall und Verstopfung nervt ihn genauso wie mich. Die Hausarbeit in „Neues Testament“ müssen wir nun nicht schreiben. Ich habe dem Dozenten sachlich erklärt, dass wir das alles in Deutschland schon gemacht haben. Heute Nachmittag war Field Visit. Das war echt cool, auch wenn ich schon wieder fast alleine das Programm gemacht habe. Ich glaube, sie sind nicht wirklich motiviert, etwas mit den Kindern zu machen. Dabei ist es eine, sicherlich nicht ganz einfache, aber tolle Arbeit. Die strahlenden Kinderaugen zu sehen, ist wunderbar, Sie strahlen durch Kleinigkeiten, die für sie so groß sind. Heute Abend hatten wir Probe für „Immer mehr“ und tatsächlich waren fast alle pünktlich. Es klingt trotz stark indisch-deutschem Akzent gar nicht schlecht. Die Tage hier sind sehr anstrengend und mein Körper braucht viel mehr Schlaf als in Deutschland. Ich glaube, dass es auch mit an der dreckigen Luft liegt. Am Nachmittag waren wir noch mal in der Stadt. Auf dem Rückweg saß unter anderem eine bettelnde Frau am Straßenrand. Ich hatte eine Tüte Bananen in der Hand und überlegte, ob ich ihr ein paar Bananen geben sollte. Ich war eigentlich gewillt es zu tun. Aber als wir bei ihr waren griff sie einfach nach der Tüte. Es zeigt eigentlich nur wie groß die Armut ist, aber das ist schon sehr dreist. So riss ich ihr die Tüte aus der Hand und ging weiter.

Torsten
21:50 Uhr

Der heutige Tag begann damit, dass ich beschloss, erneut liegen zu bleiben. Mir war nicht nach aufstehen, ich fühlte mich schlapp und nur müde. Leichte Bauchschmerzen kamen dazu, sodass ich den ganzen Vormittag im Bett blieb. Durch Katrins nahezu mütterliche Fürsorge konnte ich mich dann zum Mittagessen aufraffen und am Nachmittag auch zum Field Visit gehen. Zwar fühlte ich mich anfangs noch schlapp und schlecht, dies besserte sich aber mit der Zeit, so dass ich am Abend durchaus wieder gut drauf war. Nach dem Abendessen und einer warmen Dusche hatte ich noch die Gelegenheit, mit zuhause zu telefonieren. Mama war bei ihrer Heilpraktikerin, um mich per „Ferndiagnose“ durchzuchecken. Ergebnis: Ich bin eigentlich hoffnungslos voller Viren und Bakterien. Kein sonderlich überraschendes Ergebnis, da die Hygiene hier doch sehr zu wünschen übrig lässt. Viel überraschender ist es, dass diese Heilpraktikerin dies über diese Entfernung herausgefunden hat. Das Einzige, das bei der Diagnose fehlte, waren meine Nierenprobleme, die ich eigentlich habe. Zumindest tut der Nierenbereich immer wieder weh.

Den Rat, mehr zu trinken, ist wertvoll, weil wir wirklich viel zu wenig trinken. Dies unterschätzen wir leider, denn es ist trotz allem sehr heiß hier, auch wenn wir mittlerweile glaube, uns an das Klima gewöhnt zu haben. Diesen Rat sollten wir beherzigen, über die ganze Zeit, denn so werden ja zum Glück Giftstoffe aus dem Körper geschwemmt. Ich versuche, heute Abend noch mindestens eine Flasche Wasser zu leeren, bevor ich mich zum Schlafen hinlege.

von der_torte veröffentlicht in: Indien Community: Indien
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